Geschichte und Geschichtchen

Plötze 14: Weinhaus Schultes

Das eindrucksvolle Gebäude entstand 1567. Ein Teil des Weinkellers gehörte zuvor dem benachbarten Haus Nr. 16. Das Weinhaus selbst besitzt einen herrlichen Erker, der die biblische Szene des Propheten Jonas zeigt, wie er vom Walfisch verschlungen und wieder ausgespien wird. Der Wal sieht auf der Darstellung wie ein Drache aus. Vermutlich hat der Künstler nie in seinem Leben einen Wal gesehen und stattdessen einen Drachen dafür eingesetzt.

Das Familienwappen und das Baujahr sind am Schlussstein im rundbogigen Portal zu sehen. Das Haus beherbergt im Erdgeschoss seit 1836 ein bekanntes Weinrestaurant und hatte über Jahrzehnte hinweg eine legendäre und gefürchtete Wirtin. Es gehört noch heute zu den beliebtesten Lokalen in Limburg. In einem der schönsten Keller der Altstadt befindet sich eine Sammlung von eindrucksvollen Weinfässern mit einem Fassungsvermögen von bis zu tausend Litern.




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Limburger Geschichte - ein paar interessante Daten

Die Herkunft des Namens Limburg ist bis heute nicht vollständig geklärt und geht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine aus Merowingerzeit stammende Burg zurück. Im Jahr 910 findet sich die erste urkundliche Erwähnung der "Lintburc". 50 000 v. Chr. Die ersten Spuren von Menschen (Neandertaler) in der Nähe von Limburg.

10. Februar 910 Erste urkundliche Erwähnung der Stadt.

1160 Die jahrhundertelang genutzte Furt durch die Lahn wird von einer hölzernen Brücke abgelöst. Ab 1227 wird an der Holzbrücke der herrschaftliche Zoll erhoben. Die gestiegene Bedeutung der Stadt lässt sich auch aus einer Münzprägung durch den Grafen Emicho von Leiningen (1180) und dem Rechnen nach dem Limburger Maß (in einer Urkunde Kaiser Heinrichs VI. aus dem Jahr 1195) ersehen.

1230 Bau der großen Ringmauer entlang der Grabenstraße und des Eschhöfer Wegs. Die herrschende Schicht sind zu dieser Zeit reiche Kaufmannsfamilien, deren Häuser überwiegend in der Nähe des Burgtores stehen. Die meisten der einfachen Handwerker leben am heutigen Rossmarkt.

1235 Am 11. August wird die Stiftskirche St. Georg (der heutige Dom) durch Theodor von Wied, Erzbischof von Trier, geweiht. Baubeginn war um 1180.

1289 Am 14. Mai vernichtet ein Großbrand große Teile der Altstadt. Beim nachfolgenden Wiederaufbau entstehen 1289 bis 1296 die ältesten noch erhaltenen Häuser Limburgs. Die Chronisten berichten, man habe nach diesem Brand freie Sicht vom Fischmarkt bis zum Rossmarkt gehabt. 1315 Beginn des Baus der steinernen Lahnbrücke mit acht Bögen, die Stadtmauer wird bis an die Lahn vorverlegt. Einige Jahrzehnte lang bestehen beide Brücken nebeneinander.

1342 Erneuter Großbrand in Limburg. Ursache ist vermutlich ein Meteoriteneinschlag im „Haus Rebstock“ am Fischmarkt 7. Nur der Burgberg bleibt vom Feuer verschont.

1349 + 1356 + 1365 Ausbruch der Pest in Limburg.

1618 bis 1648 Truppendurchzüge, Besetzungen und Plünderungen machen der Stadt und der Bevölkerung während des Dreißigjährigen Kriegs schwer zu schaffen. Angesichts der chaotischen Zustände flüchten viele Bürger aus der Stadt. Durch den erneuten Ausbruch der Pest im Jahr 1637 ist sie zeitweise fast völlig verwaist.

1802 Am 10. Juni 1802 gelingt im kaiserlichen Werbehaus, heute Werner- Senger-Haus genannt, die Verhaftung und Inhaftierung des prominenten Räuberhauptmanns Schinderhannes. Er wird zunächst nach Frankfurt, danach weiter nach Mainz überführt, wo man ihn vor Gericht stellt und zum Tode verurteilt.

1808 Die Lahn gewinnt als Transportweg an Bedeutung. Es entstehen Anlandeplätze für Salz (an der Obermühle), für Frucht und das berühmte Selterswasser (am Philippsdamm und in der Erbach), das von hier aus in die ganze Welt exportiert wird.

1818 Die meisten Türme der Stadtbefestigung werden abgerissen. Bis 1870 wird nach und nach auch der Stadtgraben zugeschüttet, der letzte Abschnitt im Jahr 1870 am Trombetta-Haus. Reste des Grabens sind in der dortigen Grünanlage noch erkennbar. Limburg hat 2.685 Einwohner.

1827 Das Bistum Limburg entsteht und die Stadt wird Bischofssitz. Am 11. Dezember erfolgt die Inthronisation des ersten Bischofs Jakob Brand.

1862 Am 26. Juni fährt der erste Zug auf der Lahntalbahnstrecke von Koblenz über Limburg nach Wetzlar.

1892 hat die Stadt 7.059 Einwohner. 1899 Umzug ins neue Rathaus. Das bisherige „Historische Rathaus“ am Fischmarkt war Sitz der Bürgermeister von 1399–1899 und beherbergt heute die Städtischen Kunstsammlungen und das Kulturamt.

1939 Fertigstellung der Autobahnbrücke über das Lahntal. Bis heute wird die Ästhetik der damaligen Brücke hoch gelobt.

1944 bis 1945 Elf Luftangriffe zerstören Teile der Stadt, die Altstadt bleibt weitgehend verschont. Zerstörung der Autobahnbrücke durch ein deutsches Sprengkommando im Jahr 1945.

1968 Die im Krieg zerstörte Autobahnbrücke über die Lahn wird endlich durch einen Neubau ersetzt. Bis dahin existiert nur ein provisorischer, einspuriger Übergang. Einweihung der heutigen Lichfield-Brücke (Kosten 6,5 Millionen DM).

2011 bis 2015 Geplanter Neubau der Autobahnbrücke A 3 über die Lahn.

2011 bis 2013 Bau des Diözesanen Zentrums und Wohnsitz des Bischofs von Limburg (siehe unten)

 

Mit freundlicher Genehmigung: Reiseführer "Limburg entdecken!"